Boysinger – Web

Stimmen, die die Welt begeistern

Die phantastische Welt der Knabenchöre, Teil 1

Knabenchöre, oder englisch: Boys Choir, braucht man nicht zu suchen, denn in jeder größeren Stadt, die was auf sich hält, gibt es einen. Natürlich nicht für diejenigen, die sich nicht für so etwas interessieren. Dabei lässt sich die Existenz von Knabenchören bis ins Jahr 796 (Aachener Domchor) zurückverfolgen. Aber auch vorher schon wird es mit Sicherheit einigen Musikliebhabern aufgefallen sein, wie weich, rein und schön Knabenstimmen klingen können.

Der ausschließliche Einsatz von Jungen vor dem Stimmwechsel (auch als Stimmbruch oder Mutation bekannt) lässt sich deshalb auch nicht allein historisch begründen, da sich die Stimmen von gleich ausgebildeten Jungen und Mädchen sogar für einen Kenner nicht merklich unterscheiden. Aber: Vergleiche sind schon deshalb fast unmöglich, weil es unter den Mädchen unterhalb der 14-Jahre-Grenze keine Spezialisten gibt, wie es bei Chorjungen der Fall ist, die mit ihrer Gesangsausbildung schon ziemlich frühzeitig, durchschnittlich mit 5-6 Jahren, anfangen. Das heißt: es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten (siehe → hier, pdf-Datei).

Die heutigen Knabenchöre haben ihre Wurzeln im Früh- und Hochmittelalter, wo, besonders in Kirchen, weiblicher Gesang noch bis ins 19. Jahrhundert verboten war und deshalb Jungen und Kastraten (kastrierte Männer) eingesetzt wurden. Aus diesem Grund sind auch der Großteil der heute existierenden Knabenchöre traditionell der Kirchenmusik verbunden. Das endgültige Kastrationsverbot von 1903, ausgesprochen durch Papst Pius X., verdrängte die Knabenchöre nicht, obwohl auch „gemischte“ Kinderchöre entstanden. Im 20. Jahrhundert, besonders in der Nachkriegszeit, wurden viele Knabenchöre neu gegründet.

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So, das war ein wenig Geschichte … mehr im Folgeartikel. – Und jetzt lassen wir mal die zu Wort bzw. zum Singen kommen, um die es geht und die für den Hörgenuss verantwortlich sind (Link in Klammern = Uploader bei YouTube).

Fangen wir an mit einem Chor aus den USA, den bestimmt jeder kennt, der jenseits der 40 ist und/oder noch die alten Filme mit Bing Crosby, Fred Astaire, Cary Grant oder Western mit John Wayne oder James Stewart und andere mag. Denn dort hört man den Chor meist im Hintergrund … sanft … zart. – Na, erraten?

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Der Robert Mitchell Boys Choir mit einem Kurzfilm von 1941: “Forty Boys and a Song” – (CowboyandtheSenorita)

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Der Chor existierte von 1934 bis 2000 und wirkte in über 100 Filmen mit, darunter 1944 „Going my Way“ mit Bing Crosby und „Carefree“ mit Fred Astaire. Der bekannte Filmkomponist Dimitri Tiomkin sagte über sie: „Bob Mitchell’s Jungs stellen die ungewöhnliche Kombination von Musikalität, Artistik und Vielseitigkeit dar. Bob Mitchell’s Genie ist immer präsent. Es war etwas Großartiges, sie in „The great Waltz“ zum Singen und Agieren gehabt zu haben“.

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Ein Knabenchor ganz besonderer Güte ist auch der Solvguttene Guttekor Oslo. Bei dieser Aufnahme befindet er sich in einer Aufführung in Rostock anlässlich einer Tournee durch Norddeutschland nach dem Motto: „Ein musikalisches Geschenk an Deutschland“.

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Knabenchor Solvguttene Guttekor Oslo 1996 Part I – „Panis Angelicus/Pié Jesu“ – (wskfan)

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Knabenchor Solvguttene Guttekor Oslo 1996 Part II – „Pommernlied/Alta Trinita Beata“ – (wskfan)

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Überall begeistern Knabenchöre. Auf der ganzen Welt sind die Säle bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn sie auftreten. In Russland ist es der Russische Knabenchor DUBNA, der begeistert, auf den Philippinen schätzt man den Kilyawan Boys Choir und in Nordamerika ist man dabei, wenn der All-American Boys Chorus auftritt. – Hier einige Ausschnitte:

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„Rosas Pandan“ – Russischer Knabenchor DUBNA – (yuitov)

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Kilyawan Boys Choir mit „Obladi Oblada“ – (rmarrr15)

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All-American Boys Chorus mit einem Medley der Beach-Boys – (TAABC)

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Und hier noch einmal, weil der Anfang so schön war, der Robert Mitchell Boys Choir mit einem von Robert Mitchell und Betty Best geschriebenen Song aus dem 1945 erschienenen Roy Rogers-Dale Evans Film „The Bells of Rosarita“, und dem mehrfachen Oscar-Preisträger Bing Crosby mit dem Titel „Swinging on a Star“ aus dem Film von 1944 „Going my Way“, geschrieben von Johnny Burke und James Van Heusen.

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Der Robert Mitchell Boys Choir singt “The Bugler’s Lullaby” aus dem Film von 1945 “Bells of Rosarita” – (CowboyandtheSenorita)

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Der Robert Mitchell Boychoir & Bing Crosby singen „Swinging on a Star“ – (nicoley133)

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Manche Chöre lassen sich schwer in eine bestimmte Schiene einordnen. Denn es ist sehr unterschiedlich, mit welcher Gattung Musik sie bekannt werden. Nehmen wir als Beispiel den Tölzer Knabenchor, dann sieht man, dass dieser seine größten Erfolge der Volksmusik und dessen zeitgemäße Bearbeitung verdankt. Bei den Schöneberger Sängerknaben sowieso – sie machten sogar Gassenhauer zu modernen Schlagern. Aber wo jetzt die Tölzer einordnen, da sie ja sogar bisher unbekannte klassische Juwelen zum Strahlen bringen?

Ich denke, es ist einfach Geschmackssache. Wer grundsätzlich Knabenchöre liebt wie ich, dem ist es egal. Man hat zwar seine Favoriten, aber wenn ein Knabenchor gastiert, dann nichts wie hin. – Aber jeder andere kann und wird es sich aussuchen, wen oder was er bevorzugt.

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All-American Boys Chorus: “Seventy-Six Trombones” – (TAABC)

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Boys choir Dagilelis (Litauen): “The Lion Sleeps Tonight” – (Dagilėlis Choras)

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Der American Boychoir singt ein Medley südafrikanischer Melodien – (NationalACDA)

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Dabei fällt mir auf: Ich könnte ja mal eine Seite mit afrikanischen Chören machen.  😉

Aber zuerst: Fortsetzung folgt …

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