Boysinger – Web

Stimmen, die die Welt begeistern

Windsbacher Knabenchor – Ein Wunder an Klangfülle

In Windsbach, einem kleinen verschlafenen, 6000 Seelen zählenden, an der Fränkischen Rezat liegenden Städtchen im mittelfränkischen Landkreis Ansbach, ist es ruhig. Man mag nicht unbedingt die Hektik, man ist hier eher geduldig, gemütlich und gleichsam froh, zu Franken zu gehören und nicht unbedingt zu Bayern. Mitten durch die Stadt fließt leise plätschernd das Flüsschen Aurach. Es färbt ab, die Gemächlichkeit des kleinen Flusses. Und so liebt man es hier ebenfalls ruhig … hier in Windsbach.

Ganz Windsbach?

Nein, denn einige fesche Buben haben es sich zum ehrgeizigen Ziel gesetzt, mit der Ruhe mal so ganz gewaltig aufzuräumen. Und so kam es dann vor über 60 Jahren, genauer: 1946, dass von dem ruhigen Städtchen zum ersten Mal etwas besonderes in die Welt hinausging. Und für die Windsbacher selber kommt es heute noch so, dass jeden Sonntag in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche St. Margareta genau dieses Besondere bei ihnen ganz persönlich erklingt, was nicht nur die Städter und Umgebung als sehr angenehm empfinden: Musik – Musik vom Feinsten – Musik vom Knabenchor – Musik vom Windsbacher Knabenchor.

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Windsbacher_Knabenchor_in_der_Frauenkirche_Dresden

Windsbacher Knabenchor in der Frauenkirche Dresden

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Aber überrascht … überrascht sind sie eigentlich nicht, die Windsbacher. Denn wenn man ganz ruhig horcht, dann kann man sie auch außerhalb der Kirche üben hören. – Die Wikipedia flüstert uns leise einige Informationen ins Ohr:

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Die meisten Sänger sind im evangelisch-lutherischen Studienheim untergebracht und werden in speziellen Chorklassen des externen Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums unterrichtet. Dadurch kann auf die besonderen Bedürfnisse der Sänger eingegangen werden. Zur Gesangsausbildung im Internat gehören unter anderem Stimmbildung, Musiktheorie und die täglichen Chorproben.

Um die Erledigung von Hausaufgaben sowie Vertiefung von Lehrstoff sicherzustellen, ist für Unter- und Mittelstufe die tägliche Studierzeit im Internat obligatorisch. Je nach Leistungsstand wird in diesem Rahmen fachbezogen eine vertiefende Nacharbeit durch Lehrer des Gymnasiums angeboten, um Versäumnisse durch Unterrichtsausfall aufgrund von Tourneen und Sonderchorproben vor wichtigen Aufführungen zu kompensieren.

Neben dem Gymnasium besteht die Möglichkeit, die lokale Grund- bzw. Hauptschule in Windsbach sowie die Realschulen in den Nachbarorten Neuendettelsau oder Heilsbronn zu besuchen.

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Etwas trocken, gell? – Dann wollen wir uns von Max und Marlon mal etwas über den Alltag im Sängerinternat mit Schule, Proben und Konzerten erzählen lassen:

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Hier ist übrigens ein Bild vom Pfarrwaisenhaus Windsbach, welches heute Teil des Internats des Windsbacher Knabenchores ist. Es erinnert mich irgendwie an das Joseph-Stöckl der Wiener Sängerknaben. Und der Vergleich ist noch nicht mal weit hergeholt, denn so groß sind die Qualitätsunterschiede zwischen den Chören schon lange nicht mehr. Das © des Bildes liegt im Übrigen bei Alexander Rahm (Profil → hier).

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Internat_des_Windsbacher_Knabenchores

Von hier aus geht der Klang des Windsbacher Knabenchores in alle Welt und begeistert Ost und West, Nord und Süd. – © Alexander Rahm (siehe oben).

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Ich habe mir lange überlegt, ob ich jetzt einige Konzert-Mitschnitte bringen soll oder eine Zusammenfassung. Konzert-Mitschnitte sind aber dutzenderweise auf der Plattform YouTube und anderswo zu finden (siehe → hier). Deshalb entschied ich mich für eine Zusammenfassung, die aber wiederum etwas Besonderes darstellt. Denn hier wird nicht einfach nur in 29 Minuten und 30 Sekunden der Chor vorgestellt, sondern der Film ist als BR-Dokumentation mehr der Anlass, während der Verabschiedung des langjährigen Chorleiters Karl-Friedrich Beringer, der in den Ruhestand geht, diesen zu ehren. Oder, wie es der Chor auf seiner Website selber schreibt:

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Seit seiner Gründung durch den ehemaligen Crucianer Hans Thamm im Jahre 1946 hat der Windsbacher Knabenchor Generationen junger Menschen geprägt und musikalisch verbunden.

[…]

So blickte der Chor heute auf eine erstaunliche Entwicklung zurück: Aus dem „Provinzchörle“ der 50er Jahre ist einer der angesehensten Knabenchöre der Welt geworden. Zu danken ist dies dem Chorgründer Hans Thamm und ganz besonders seinem Nachfolger Karl-Friedrich Beringer. Ab 2012 übernimmt Martin Lehmann die künstlerische Leitung …

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Ich bedanke mich bei Bayernundmehr, der diese (leider in drei Teilen) hochkünstlerische Dokumentation des Bayerischen Rundfunks am 19.12.2011 bei YouTube hochlud:

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Natürlich sollte an dieser Stelle auch nicht über die Vorwürfe des „Kindesmissbrauchs“ geschwiegen werden. Allerdings nur ganz kurz. Denn so schlimm Misshandlungen von Kindern auch immer sind und in jeder Form zu verurteilen, vor allem, wenn sie mit sexueller Gewalt einher gehen, so sehr muss man aber auch dafür plädieren, dass gewisse Dinge in unserem Leben im Laufe der Zeit verklärt werden (ein Schlag mit dem Lineal auf die ausgestreckte Hand tat damals wirklich nicht weh). – Obwohl man sich solche Szenen, wie sie im „Nachrichtenmagazin“ Spiegel beschrieben wurden (siehe Link unten), absolut nicht vorstellen kann. Aber wenn man sich heute über die Exzesse von damals aufregt, dann muss auch die Gesellschaft von damals angeklagt werden. Denn es war ja schließlich die Gesellschaft, die es zuließ und sogar forderte. Es war Erwachsenen ja schließlich erlaubt, ihre Schutzbefohlenen, und darüber hinaus alle Kinder, „zu züchtigen“, damit sie „fromm im Geiste Gottes zu guten Christen“ erzogen wurden. Eine Tatsache, eine gesellschaftliche Einstellung, die in jedem christlichen Haus zu finden war. Meist wurde in einem Atemzug geschlagen und gebetet. – Heute ist diese barbarische Einstellung „gottlob“ verschwunden, aber damals war es normal. Heute und mit den heutigen Gesetzen und vielleicht noch mit Wut im Bauch die Angelegenheiten an die große Glocke zu hängen, ist aber der falsche Weg, sich zu rächen. Okay, die Schuldigen sollen bestraft werden, genauso, wie man andere für ihre Verbrechen bestraft. Nur bitte mit den verhältnismäßigen Mitteln der Wertigkeit der Straftaten entsprechend, wie es im Strafgesetzbuch vorgesehen ist – und nicht mit Schlammschlachten (man lese bitte auch die Kommentare zum Artikel des Spiegels, welche in mancher Weise die Realität wiedergeben). Es war und ist immer noch ein Gesellschaftsproblem. Und da sollten alle daran arbeiten, ohne Ausnahme. Gemäß einem Zitat aus dem Roman und der Verfilmung von „Der kleine Lord“ mit Ricky Schroder: „Jeder sollte mit seinem Leben die Welt ein kleines Stückchen besser machen“.

So, das war das leidige Thema Kindesmisshandlung. Und dass es nur vereinzelt vorkam bzw. eine Minderheit war, die anklagten, zeigt auf der anderen Seite die Mehrheit, die nicht unbedingt „stumm gemacht“ wurde, sondern mit Begeisterung im Chor mit anderen Buben zusammen musizierten. Diese Begeisterung sieht man den Buben und ihrem Dirigenten an, überträgt sich bei jeder Aufführung auf die Zuhörer, die diese Begeisterung mit Standing Ovations quittieren. Eine ansteckende Begeisterung, eine Sucht nach mehr, gepaart mit Professionalität und überschäumender Freude an der Musik, die es dann auch gewesen ist, die den Windsbacher Knabenchor zu dem werden ließ, was er heute ist und ihn mit auf eine Stufe stellt mit den berühmtesten Chören der Welt: Ein Klangwunder der Superlative.

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Windsbacher Knabenchor und Akademie für Alte Musik Berlin, Leitung: Karl-Friedrich Beringer, Frauenkirche Dresden, 3.7.2011: J. S. Bach: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ Kantate BWV 140, Eingangschor (Hochgeladen, auch folgende, vom Windsbacher Knabenchor).

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Windsbacher Knabenchor, Leitung Karl-Friedrich Beringer, Frauenkirche Dresden, 23.7.2011: Johann Rosenmüller: „Welt ade, ich bin dein müde“.

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Windsbacher Knabenchor und Akademie für Alte Musik Berlin, Leitung: Karl-Friedrich Beringer, Frauenkirche Dresden, 23.7.2011: J. S. Bach: „Herr ich glaube, hilf mir Schwachen“ Kantate BWV 78

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Der Windsbacher Knabenchor ist heute nicht mehr aus der deutschen Musikszene wegzudenken und inzwischen zu einer gesamtdeutschen Institution geworden. Und wer auch nicht unbedingt ein Anhänger von Kirchenmusik ist, legt sich doch zu Weihnachten eine von den Platten auf, die so richtig weihnachtliche Stimmung verbreiten. Mit einem Chor und einem Wunder an Klangfülle. dem Windsbacher Knabenchor natürlich – ganz klar!

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Der Windsbacher Knabenchor mit zwei Weihnachtsliedern, hochgeladen von Jairdan am 25.05.2007.

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Windsbacher Knabenchor, Leitung: Karl-Friedrich Beringer, Münster in Heilsbronn: J. S. Bach: Weihnachtsoratorium BWV248 Kantate 1, Eingangssatz „Tönet ihr Pauken“ aus dem BWV 214 – Jauchzet frohlocket!

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Wichtige und weiterführende Links:

Die zentrale Homepage:

http://www.windsbacher-knabenchor.de/

Der Windsbacher Knabenchor in der Boy Choir & Soloist Directory:

http://www.boysoloist.com/artist.asp?vid=1398

Wikipedia-Artikel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Windsbacher_Knabenchor

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Friedrich_Beringer

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Thamm

Bericht im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/windsbacher-knabenchor-peitschenschlaege-hinter-schalldichter-tuer-a-684604.html

Suche nach Videos im Netz:

http://www.benefind.de/video.php?q=windsbacher+knabenchor

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